Die Geschichte des Wettinger Figurentheaters
| Das erste Marionetten-Ensemble im Kanton Aargau, das Figurentheater
Wettingen, wurde 1979 in Baden gegründet. Die Initianten und
Initiantinnen lernten sich im Kornhaus Baden, der damaligen
Freizeitwerkstatt kennen. Rita Périllard-Gmür – sie ist die eigentliche
Gründerin und wird als Mutter der Wettinger Marionettenbühne bezeichnet
- lernte bei einem Kurs den Leiter der Werkstatt, Toni Kyburz, kennen.
Mit der Gründung einer Bühne für das Figurenspiel wollten die
Initianten das kulturelle Leben der Region Baden-Wettingen erweitern. Aller Anfang ist schwer Wie aber anfangen, wenn nichts vorhanden ist? Es fehlte an Einrichtungen, Know how, Finanzen, Theaterraum, Bühne usw. Es existierte anfänglich auch noch keine Organisation. Die Vereinsgründung erfolgte erst einige Zeit später, wobei der Gründer des Schweizerischen Spielzeugmuseums, Dr. h.c. Roger Kaysel, erster Präsident wurde. Vorhanden waren ein grosser Idealismus und sehr viele Ideen, mit denen die Initianten ihre Arbeit aufgenommen haben. Die Zielsetzung stand fest, dass nicht billige Kinderunterhaltung inszeniert werden soll, sondern künstlerisch- ästhetisch und philosophisch anspruchsvolles Theater. In dieser Spanne ist vieles möglich; die konservativen Märchen, die auch erwachsene Zuschauer und Zuschauerinnen im Bann halten oder ein poetisch, klassisches Stück. Es war ein Glück für das Ensemble, dass mit Rita Périllard eine erfahrene Theaterfrau die Initiative für die Gründung ergriff. Wesentliche Helfer und Helferinnen waren dabei Annelou Schwarzberg für das Bühnenbild, Yvette Pabst für das Modellieren der Figurenköpfe und Toni Kyburz für Technik und Requisiten. Erste Proben Im Jahre 1977 wurde mit der Probenarbeit begonnen. "Die Schneekönigin", ein Märchen von Hans Christian Andersen, sollte das erste Stück sein, das 1979 uraufgeführt wurde. Da keine feste Theatereinrichtung vorhanden war, musste eine mobile Bühne erstellt werden. Für die Aufführungen konnte mit der Betreibergesellschaft des Badener „Kornhauses“ ein Vertrag abgeschlossen. Première der "Schneekönigin" Am 17. November 1979 war es dann soweit. Die erste Aufführung der "Schneekönigin" konnte im Theater des Kornhauses Baden stattfinden. Und es war ein Start, welcher sich die Gruppe in den kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Von Anfang an waren alle Aufführungen ausverkauft. Was die Initianten besonders freute war, dass sich bereits das Schweizer Fernsehen DRS für eine Aufzeichnung der "Schneekönigin" interessierte und 1981 übertragen hat. Der überwältigende Erfolg verlieh dem Ensemble "Flügel" und Mut zu neuen Taten. Es folgten Inszenierungen des Grimmmärchens "Der Froschkönig", und „Peterchens Mondfahrt“. 1985 ging die Truppe mit Rita Périllard ein neues Wagnis ein: Erstmals wurde mit Edzard Schappers Legende vom vierten König ein Stück für Erwachsene eingeübt. Das Experiment hat sich gelohnt. "Der vierte König" wurde zum Glanzstück der Bühne und wurde für Jugendliche und Erwachsene während mehreren Saisons aufgeführt. Auszug aus Baden Mit den ersten Aufführungen 1979 "Die Schneekönigin" und 1981 "Der Froschkönig" hatte die Gruppe nicht nur Erfolg, sondern auch grosse Probleme. Für die Proben mussten die Figurenspielerinnen von Raum zu Raum ziehen. Die Bühne musste auf- und abgebaut werden bis die Gemeinde Wettingen im Jahre 1982 den unbenützten Theaterkeller im „Gluri Suter Huus“ zur Verfügung stellte und die Gruppe somit eine eigene Bleibe gefunden hat. In Baden wurde der Wegzug der beliebten Bühne bedauert. Kampf um Finanzen Bis anhin musste die Marionettenbühne ohne Beiträge der öffentlichen Hand auskommen und für die Aufführungen im Kornhaus zusätzlich Abgaben leisten. Die Gemeinde Wettingen stellt das Gluri Suter Huus unentgeltlich zur Verfügung und bezahlt dem Verein zusätzlich eine jährliche Subvention. Damit wurden dem Verein die grossen finanziellen Sorgen teilweise abgenommen. Später wurde die Bühne auch von privaten Sponsoren unterstützt. Beginn mit professionellen Gruppen als Gasttheater Nachdem die Gemeinde Wettingen das Kellertheater im Gluri Suter Huus zur Verfügung gestellt hatte, stand die Marionettenbühne vor einer wichtigen Entscheidung, nämlich entweder selber ein professionelles Theater aufzubauen oder professionelle Gruppen zu engagieren. Die Zielsetzung war, den 80 Plätze umfassenden Theaterraum möglichst gut zu nutzen und in der Gemeinde Wettingen das kulturelle Leben zu beleben. Für den Aufbau eines professionellen Theaters fehlten jedoch die Ressourcen. Ohne Wettinger Figurentheater – kein Figura Theater Festival in Baden Initiantin des Badener Figura Theater Festival war Arlette Richner. Sie lernte das Figurenspiel bei der Wettinger Marionettenbühne kennen und war Frau der ersten Stunde beim Figura. Als initiatives Mitglied engagierte sie sich für das Figurentheater und wurde Mitglied der Schweiz. Vereinigung für Puppen- und Figurentheater, heute Unima Suisse. Das Wettinger Figurentheater ist stolz auf ihre bekanntes Mitglied und Initiantin des inzwischen berühmten Festivals, das seit 1994 alle zwei Jahre durchgeführt wird. Namensänderung von „Marionettenbühne“ in „Figurentheater Wettingen“ Das Figurenspiel hat sich in den vergangenen Jahren wesentlich verändert. Das Spiel mit den Marionetten steht nicht allein im Vordergrund; das Spiel mit den Figuren hat sich generell geöffnet. Der Verein hat deshalb 2006 den Namen in „Figurentheater Wettingen“ geändert. Karl Meier, Präsident Figurentheater Wettingen 23.06.08 |



