Die Geschichte vom Soldaten

Das Theater-Pack

Susans Grossvater lebt in Deutschland und schwärmt seit Jahrzehnten von Ramuz/Strawinskys Stück, von dieser Märchen-Geschichte und der tollen Musik. Jetzt wird er in ein paar Monaten 80 Jahre alt und Susan hat beschlossen, ihm dann DIE GESCHICHTE VOM SOLDATEN als Puppenspiel vorzuspielen.
Dabei ist Susan zuerst davon ausgegangen, dass sie eine Schallplatte mit einer Ton-Aufnahme des Stückes laufen lässt und dazu die Puppen bewegt. Als Hilfe, ob sie das einigermassen richtig macht, holt sie sich Erich zu den Proben – als ‚Auge von aussen’ dazu.
Susan hat Erich zufälligerweise kennen gelernt in einer Genossenschaftsbeiz, wo er für die Betreuung (Organisation) von auftretenden Musik/ Theatergruppen zuständig ist. Susan findet, Erich könne ihr helfen, das Puppenspiel einigermassen spannend und publikumswirksam über die Bühne zu bringen. Erich wäre schon immer gern Regisseur gewesen. Wenn man ihn bloss gelassen hätte. Dass er über Theater und Figurenspiel mehr weiss als Susan ist klar, schliesslich bewegt er sich als Helfer, Techniker, Mit-Organisator schon seit vielen Jahren in dieser Szene, in der er aber als Künstler einfach noch nie hatte Fuss fassen können. Nun will er die Gelegen-heit beim Schopf packen und mit Susan, in der er eine mutige, frische, unverbrauchte Amateurin sieht, die mit Leidenschaft und einer klaren Perspektive ihr Projekt angeht, eine Neu-Interpretation der GESCHICHTE VOM SOLDATEN schaffen.
Wie er diese bewerkstelligen will, dazu hat Erich schon Ideen. Leider kann Susan Erichs Phantasie und (vermeintlicher) Professionalität weder in finanzieller noch künstlerischer Hinsicht folgen.
Doch entwickelt sie aus Erichs Anstössen heraus Gedanken und Heran-gehensweisen an den Stoff. Sie merkt, dass es wichtig ist, den Grund zu kennen, weshalb für ihren Grossvater gerade diese Geschichte so wichtig ist.
Susan weiss wenig darüber. Also recherchiert sie bei ihren Verwandten und erfährt von einigen schicksalshaften Wendungen in Grossvaters Leben. So erfährt sie, dass er selber, noch in den letzten Kriegswochen, als 14-Jähriger Soldat geworden war. Und dass er aus lauter Zufall bei der ‚Verteidigung’ seiner Stadt nicht getötet wurde. Dass er für ein kurze Zeit gefangen und wegen einer Krankheit in einem Lazarett war. Dass er an Hitler glaubte, wie seine Mutter an den lieben Gott. Dass er lernte, Hitler als Teufel zu ver-dammen. Dass er wohl ein erstes Mal die Gräuel des Krieges für kurze Zeit vergessen konnte, als in einem ausgeschossenen Theater Ramuz/ Strawinskys Stück DIE GESCHICHTE VOM SOLDATEN gegeben wurde.
Dieses Märchen muss im damals 16-Jährigen einen sehr starken Eindruck hinterlassen haben.
Der Grossvater hat Susan die Geschichte vom Teufel, der Geige, dem Lebensbuch und dem Soldaten nur einmal erzählt. Sehr zusammenfassend – als Märchen halt. Dass gerade diese Geschichte für ihren Grossvater einen so grossen Wert hat, hat Susan bloss geahnt und wenn sie nicht zufälliger-weise in einem Brockenhaus auf die alte Schallplatte gestossen wäre, hätte sie sich bestimmt nicht daran erinnert. Nun aber will sie ihren alten Gross-vater und seine Geburtstags-Gäste überraschen.
Susan hat traditionelle Kinder-Handpuppen gekauft, die im Brockenhaus zu haben waren. Erich präsentiert Susan einige Ideen, wie man das Stück umsetzen könnte, muss aber immer wieder kapitulieren, wenn es um die konkrete Umsetzbarkeit geht. Er geht bei befreundeten Figurenspielern vorbei und leiht sich mögliche Puppen (Marionetten, Stabfiguren etc.) aus, muss aber feststellen, dass man so dem Zufall zuviel Spielraum lässt. Derweil erfährt Susan nicht nur vieles über ihren Grossvater sondern auch über die Entstehungsgeschichte des Stückes.
Erich entpuppt sich als geschickter Motivator und schliesslich gelingt es ihnen, DIE GESCHICHTE VOM SOLDATEN in einem verdichteten Schattenspiel einzuüben und aufzuführen.
Einerseits ist unser Stück also Ramuz’/Strawinskys Suite DIE GESCHICHTE VOM SOLDATEN, andrerseits ist es auch die Geschichte des Grossvaters als damaliger (Kinder)Soldat. Es ist ein Nachdenken über das Märchen vom Teufel, der dem Soldaten alles verschafft. Das aber weiter geht als die gängigen Märchen, die bei der Heirat zwischen Soldat und Prinzessin eigentlich aufhören würden.

Autor: Paul Steinmann
Spiel: Nathalie Hubler, Hansueli Trüb
Regie: Kathrin Bosshard

www.theaterpack.ch

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Soldat

figurentheater im gluri suter huus, wettingen, theaterkasse 056 426 29 69